Riester Vertrag wechseln

Die Riester Rente erfreut sich in Deutschland nach wie vor großer Beliebtheit. Von den mehr als 16,5 Millionen Verträgen entfällt der Löwenanteil mit rund 11 Millionen auf Riester Rentenversicherungen. Etwas mehr als drei Millionen Personen sind im Besitz eines Riester Fondssparplans. Viele Kunden machen sich Gedanken darüber, ob sie den richtigen Vertrag abgeschlossen haben und denken deshalb über einen Wechsel oder eine Kündigung nach.

Wer seinen Vertrag kündigt, muss sämtliche Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen, weshalb sich diese Variante so gut wie nie lohnt. Dagegen kann es sinnvoll sein, einen überteuerten Vertrag zu wechseln. Hierfür gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten. Zum einen kann der alte Vertrag stillgelegt und ein neuer abgeschlossen werden. Alternativ lässt sich das Guthaben aus dem bestehenden Vertrag in einen neuen übertragen.

Mögliche Gründe für einen Wechsel des Riester Vertrages

Es gibt mehrere Gründe, die für einen Vertragswechsel bei der Riester Rente sprechen. Am häufigsten denken Kunden über einen Wechsel nach, weil der aktuelle Vertrag zu teuer ist bzw. eine zu geringe Rendite abwirft. Denkbar wäre auch, dass ein vor längerer Zeit abgeschlossenes Produkt nicht mehr zur Lebenssituation passt. Dies wäre beispielsweise der Fall, wenn jemand einen Riester Bausparvertrag besitzt, nun aber doch keinen Umzug in die eigene Immobilie mehr plant. Denkbar ist auch, dass der Besitzer des Bausparvertrags sein Guthaben als Eigenkapital für die Immobilienfinanzierung nutzen möchte.

Bedingungen für einen Wechsel

Einen rechtlichen Anspruch, mit seinem Vertrag zu einem anderen Anbieter wechseln zu können, gibt es nicht. So kommt es vor, das Wechsler abgelehnt werden, weil beispielsweise die Restlaufzeit zu kurz ist. Bei den meisten Anbietern finden sich die Voraussetzungen für einen Wechsel in den Geschäftsbedingungen.

Gängige Bedingungen für einen Wechsel sind:

  • Es ist nicht geplant, in absehbarer Zeit Guthaben für eine Baufinanzierung zu entnehmen.
  • Es gab keinen Versorgungsausgleich nach einer Scheidung.
  • Das zu übertragende Kapital übersteigt einen bestimmten Betrag nicht.
  • Die festgelegte Mindestvertragslaufzeit ist vorhanden.

Auf die Wechselkosten achten

Bei jedem Riester Vertrag ist es wichtig, dass Kosten und Rendite in einem guten Verhältnis zueinander stehen. Dies gilt insbesondere auch bei einem Wechsel. Der bisherige Anbieter verlangt in der Regel Gebühren von maximal 150 Euro. Dazu kommen dann noch die Provisionen für den Abschluss eines neuen Vertrags. Bei einer Riester Rentenversicherung fallen oftmals 2,5 Prozent auf alle künftigen Beiträge an.

Guthaben übertragen oder Vertrag beitragsfrei stellen

Wer seinen Riester Vertrag wechseln möchte, hat zwei Möglichkeiten. Entweder der alte Vertrag bleibt beitragsfrei bestehen oder das angesparte Kapital wird zum neuen Anbieter mitgenommen. Die Beitragsgarantie ist hierbei ein wichtiger Faktor. Bei jedem Riester Vertrag gibt es eine Garantie, dass bei Rentenbeginn zumindest die eingezahlten Beiträge sowie erhaltene Zulagen zur Verfügung stehen. Dies gilt auch für das übertragene Guthaben.

Es kann jedoch vorkommen, dass sich der Vertrag aktuell im Minus befindet. Dies betrifft insbesondere Riester Rentenversicherungen, bei denen die Abschlusskosten innerhalb der ersten fünf Jahre verrechnet werden. In diesem Fall kann es empfehlenswert sein, den bisherigen Vertrag beitragsfrei zu stellen. Der Anbieter muss sicherstellen, dass der Vertrag spätestens zu Rentenbeginn nicht mehr im Minus ist. Dies gilt auch dann, wenn keine neuen Einzahlungen mehr vorgenommen werden. Dies lohnt sich jedoch nur dann, wenn der Vertrag kräftig im Minus ist. Ansonsten ist es besser, das Guthaben zum neuen Anbieter mitzunehmen und dort von einer hoffentlich besseren Rendite zu profitieren.

Wer seinen Vertrag beitragsfrei stellt, ohne einen neuen abzuschließen, erhält keine Zulagen mehr. Von einer Kündigung ist generell abzuraten, da die gesamte Förderung zurückgezahlt werden muss. Dies sind oftmals mehrere Tausend Euro.

Probleme bei Riester Rentenversicherungen

Neben der Beitragsgarantie gibt es bei Riester Rentenversicherungen noch einen garantierten Zinssatz. Bis 2011 erhielten Kunden noch einen Garantiezins von 2,25 Prozent. Dann wurde der Zinssatz auf 1,25 Prozent gesenkt. Ab 2017 garantieren die Versicherer nur noch eine Verzinsung von 0,9 Prozent. Zu beachten ist, dass der Garantiezins nur auf den Sparanteil angewendet wird. Dieser setzt sich aus den Einzahlungen und Zulagen abzüglich der Kosten zusammen. Die tatsächliche Verzinsung ist deshalb um einiges niedriger.

Aufgrund des gesunkenen Garantiezinses lohnt sich der Wechsel zu einer anderen Rentenversicherung in der Regel nicht. Ausgenommen sind Verträge, die jünger als fünf Jahre sind und bei denen die Abschlusskosten noch nicht komplett verrechnet wurden. Dabei gilt: Je kürzer der Vertrag läuft, desto eher lohnt sich der Wechsel.

Deutlich rentabler ist zumeist der Wechsel zu einem anderen Riester Produkt. Dies gilt besonders für fondsgebundene Rentenversicherungen. Bei diesen wird ein Teil der Beiträge in Aktien- und Mischfonds angelegt. Im Vergleich zu klassischen Variante sind höhere Renditen möglich, einen Garantiezins gibt es allerdings nicht.

Mögliche Alternativen für den Wechsel

Riester Banksparpläne sind kostengünstig und flexibel. Die Verzinsung richtet sich dabei immer nach den aktuellen Kapitalmarktzinsen. Da keine Abschlusskosten anfallen, eignet sich diese Variante auch für ältere Sparer. Zudem profitieren die meisten Eigentümer von Banksparplänen sofort, wenn die Zinsen wieder steigen.

Fondssparpläne sind aufgrund der attraktiven Rendite-Möglichkeiten ebenfalls eine gute Wahl. Die Kosten bewegen sich auf einem ähnlichen Niveau wie bei den Rentenversicherungen. Empfehlenswert ist der Wechsel zu einem Fondssparplan nur dann, wenn bis zum Rentenbeginn noch mindestens 15 bis 20 Jahre bleiben. Ansonsten ist es für den neuen Anbieter nicht möglich, einen größeren Teil des übertragenen Kapitals in renditestarke Aktienfonds anzulegen. Er muss garantieren, dass bei Auszahlungsbeginn sämtliche Einzahlungen zur Verfügung stehen.

Kapital für die eigene Immobilie nutzen

Seit 2008 kann die Riester Förderung auch für die Finanzierung einer selbst genutzten Immobilie verwendet werden. Diese Möglichkeit gibt es auch für Sparer, die noch einen anderen Riester Vertrag besitzen.

So kann das angesparte Guthaben entnommen und als Eigenkapital in die Baufinanzierung investiert werden. Bei dem aufgenommenen Darlehen muss es sich nicht zwangsläufig um ein Riester Darlehen handeln. Wichtig ist nur, dass die Bedingungen für eine Eigenheimförderung eingehalten werden. Hierzu gehört unter anderen, dass der Sparer selbst in die Immobilie einziehen muss. Lesen Sie hierzu bitte mehr in unserem Artikel zum Thema Wohnriester.

Die Versteuerung im Alter kommt auch bei einem Wechsel zu Wohn-Riester zum Tragen. Das übertragene Guthaben wird auf einem virtuellen Wohnförderkonto vermerkt und mit jährlich 2 Prozent verzinst. Bei Renteneintritt wird hieraus die zu zahlende Steuer ermittelt.