Wohnriester

Lohnt sich Wohn-Riester?

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Bei Wohnriester handelt es sich um eine besondere Form der Riester Rente, bei welcher die Finanzierung von selbst genutzten Immobilien gefördert wird. Deshalb wird diese Variante auch als Eigenheimrente bezeichnet. Anstatt einer lebenslangen Rente, profitieren Sparer im Alter vom mietfreien Wohnen.

Die Zulagen können in eine bestehende Finanzierung investiert oder für einen späteren Immobilienerwerb genutzt werden. Im Vergleich zu einer nicht geförderten Immobilienfinanzierung lassen sich mit Wohnriester mitunter mehrere Zehntausend Euro einsparen.

Wichtige Fakten zu Wohnriester im Überblick:

  • Förderung nur bei selbst genutzten Immobilien.
  • Wohnriester kann zur Sicherung einer Anschlussfinanzierung für die bestehende Baufinanzierung genutzt werden.
  • Riester-Darlehen kann sich auch bei einem etwas höheren Zinssatz lohnen.
  • Jährliche Grundzulage von bis zu 154 Euro plus maximal 300 Euro pro Kind.
  • Pro Jahr können Tilgungszahlungen von bis zu 2.100 Euro als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden.
  • Nachgelagerte Besteuerung im Alter.
  • Darlehen muss bei Renteneintritt getilgt sein.

Wer kann eine Wohnriester Förderung erhalten?

Die Förderung kann grundsätzlich von allen in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversicherten Personen wie auch Beamten in Anspruch genommen werden. Zudem steht Wohnriester auch Kindererziehenden während der für die Rente berücksichtigten Zeiten offen. Pflichtversicherte in der Alterssicherung der Landwirte können ebenfalls wohn-riestern. Im Gegensatz zu anderen Riester Produkten, können wird die Förderung auch für Bezieher einer Erwerbsunfähigkeits- oder Erwerbsminderungsrente gewährt.

Selbstständige werden bei der Riester Rente üblicherweise nicht berücksichtigt. Für sie eignet sich die Rürup Rente besser. Eine Ausnahme besteht, wenn in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt wird. Ein Beispiel hierfür sind Künstler, welche in die Künstlersozialkasse einzahlen.

Wer selbst nicht förderberechtigt ist, kann eventuelle über seinen Ehepartner eine Förderung erhalten. Besitzt dieser einen Riester-Vertrag, muss lediglich ein sogenannter Sockelbetrag von 60 Euro jährlich eingezahlt werden. Wichtig ist zudem, dass der Partner mindestens 4 Prozent seines Vorjahreseinkommens in die Riester Rente investiert.

Wie sieht die Förderung bei Wohnriester genau aus?

Sparschwein und Mini-Haus

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Die jährliche Grundzulage beträgt pro förderberechtigter Person 154 Euro. Für jedes Kind gibt es nochmals 185 Euro dazu. Bei Kindern, die ab 2008 geboren wurden, erhöht sich die Zulage auf 300 Euro.

Um die komplette Förderung zu erhalten, müssen mindestens 4 Prozent des Bruttoeinkommens für die Tilgung des Darlehens verwendet werden. Bei einem Jahresgehalt von 38.000 Euro wären dies 1.520 Euro. Hiervon wird noch die jährliche Zulage abgezogen. Ein Erwachsener ohne Kinder müsste folglich rund 113 Euro monatlich für die Tilgung aufwenden.

Steuerersparnis richtig nutzen

Die Tilgungszahlen können bis zu einem Betrag von 2.100 Euro jährlich als Sonderausgabe von der Einkommenssteuer abgesetzt werden. Dies betrifft jedoch nicht die anfallenden Zinsen. Zu beachten ist, dass die gewährten Zulagen von der Steuerersparnis abgezogen werden. Insofern können Sparer nur von einer der beiden Leistungen profitieren. Bei Personen ohne Kinder mit hohem Einkommen ist in der Rege die Steuerersparnis höher.

Beispiel für die Steuererstattung:

Ein Alleinstehender verdient jährlich 35.000 Euro und investiert mindestens 2.100 Euro jährlich in ein Riester Darlehen. Als Sonderausgaben können 2.100 Euro geltend gemacht werden. Bei einem persönlichen Steuersatz von 34 Prozent ergibt sich daraus ein finanzieller Vorteil von rund 714 Euro.

Die jährliche Grundzulage beträgt in diesem Fall 154 Euro. Diese wird nun vom Steuervorteil abgezogen, sodass die Rückerstattung nur 560 Euro beträgt.

Verwendungsmöglichkeiten der Förderung

Die staatliche Förderung lässt sich bei Wohnriester wie folgt nutzen:

  • Baufinanzierung: Bau oder Kauf einer selbst genutzten Immobilie. Tilgung eines bereits aufgenommenen Darlehens.
  • Umschuldung: Die Förderung lässt sich auch für die Umschuldung einer bestehenden Baufinanzierung nutzen.
  • Altersgerechter Umbau: Werden mehr als 50 Prozent der Finanzierungssumme für den barrierefreien Umbau aufgewendet, kann die Förderung auch hierfür eingesetzt werden. Dabei gilt ein Mindestbetrag von 20.000 Euro.
  • Wohnbaugenossenschaften: Wer in der Immobilie einer Wohnbaugenossenschaft lebt, kann die Förderung auch zum Kauf von Genossenschaftsanteilen verwenden.

Die geförderte Wohnimmobilie muss sich nicht zwangsläufig in Deutschland befinden. Häuser oder Wohnungen in einem anderen EU-Land sind ebenfalls erlaubt. Beim Kauf eines Mehrfamilienhauses lässt sich der selbst genutzte Teil fördern, während andere Wohneinheiten vermietet werden. Eine weitere Möglichkeit ist die Förderung einer Alterswohnung mit lebenslangem Wohnrecht, die nicht dem Vertragsinhaber gehört.

Das richtige Darlehen für Wohnriester wählen

Für die Eigenheimfinanzierung stehen grundsätzlich drei Möglichkeiten zur Verfügung:

  1. Darlehen ohne Förderung: Hierbei handelt es sich um einen regulären Kredit, dessen Rate sich aus Tilgung und Zinsen zusammensetzt. Sowohl Darlehenshöhe wie auch Zinsbindung und anfängliche Tilgung können individuell festgelegt werden. Die Auswahl an Anbietern ist hier sehr groß.
  2. Darlehen mit Riester-Förderung: Hierfür zahlen Darlehensnehmer ebenfalls eine monatliche Rate mit Zins und Tilgung. Die Zahl der Anbieter ist allerdings geringer, weshalb der Zinssatz höher ausfallen kann. Durch die staatliche Förderung kann sich ein solcher Vertrag dennoch lohnen.
  3. Bausparvertrag mit Riester-Förderung: Diese Variante setzt sich aus einem tilgungsfreien Darlehen und einem Bausparvertrag zusammen. Die Finanzierung erfolgt dabei in zwei Phasen. Zunächst werden für das Darlehen nur die Zinsen fällig. Gleichzeitig werden die Sparraten in den Bausparvertrag eingezahlt. Ist der Bausparvertrag zuteilungsreif wird der ursprüngliche Kredit mit dem Bauspardarlehen abgelöst. Vorteil dabei ist, dass die Zinsen bereits für die gesamte Laufzeit bekannt sind.

Nachgelagerte Besteuerung bei Wohnriester

Ein wesentliches Kriterium bei Wohnriester ist die nachgelagerte Besteuerung. Im Gegensatz zu den anderen Riester-Formen wird im Alter keine zu versteuernde Rente ausgezahlt. Die staatlichen Förderungen werden nicht zum Aufbau des Vorsorgekapitals genutzt, sondern fließen in die Tilgung des Darlehens.

Um die steuerliche Belastung zu ermitteln, wird bei Wohnriester ein fiktives Wohnförderkonto eingerichtet. Auf diesem werden sämtliche Zulagen und geförderte Tilgungen vermerkt und jährlich um 2 Prozent dynamisiert.

Zu Rentenbeginn muss das virtuelle Guthaben des Wohnförderkontos versteuert werden. Hierfür gibt es zwei Möglichkeiten: Zum einen kann die Steuerschuld in monatlichen Raten bis zum 85. Lebensjahr beglichen werden. Alternativ ist auch eine Einmalzahlung möglich. In diesem Fall sind nur 70 Prozent des vorhandenen Guthabens zu versteuern, ähnlich der Rückzahlung vom Bafög.

Was passiert bei Umzug oder Verkauf der Immobilie?

Sofern die geförderte Immobilie verkauft oder vermietet wird, werden die Zulagen zurückgefordert. Es gibt jedoch auch Ausnahmen:

  • Bei einem beruflich bedingten Umzug kann die Selbstnutzung vorübergehend unterbrochen werden.
  • Bei einem Verkauf der Immobilie kann die Förderung innerhalb von vier Jahren in ein neues Eigenheim investiert werden.
  • Das Guthaben auf dem Wohnförderkonto kann innerhalb eines Jahres nach dem Verkauf in einen anderen Riester-Vertrag übertragen werden.
  • Bei Tod oder Scheidung passiert nichts, sofern der Ehepartner Eigentümer wird und die Immobilie weiterhin selbst bewohnt.

Fazit zu Wohnriester

Wohnriester bietet beim Erwerb einer Immobilie zahlreiche Vorteile. Durch die staatliche Förderung lässt sich das Darlehen schneller tilgen. Wichtig ist jedoch, dass man sich vorab genau mit den Bedingungen beschäftigt. Eine falsche Verwendung führt zur Rückzahlung bereits erhaltener finanzieller Vorteile.